Paspeltaschen nähen

 

Hier findet Ihr die Anleitung, wie Ihr eine Paspeltasche näht, egal ob in ein Kleidungsstück, eine Umhängetasche oder ein anderes Werkstück.

 

Eine Paspeltasche zeichnet sich dadurch aus, dass ihr Eingriff eine Kantenverzierung durch einen eingefassten Stoffstreifen besitzt. Man unterscheidet, ob sich diese Verzierung nur an einer oder an beiden Eingriffkanten befindet:

 

Die einfache Paspeltasche besitzt nur auf der Unter- bzw. Innenkante einen Paspelstreifen.

Bei der doppelten Paspeltasche sind beide Kanten mit einem Paspelstreifen versehen.


Material

Du benötigst für Deine Paspeltasche alle Schnittteile in der Form, in der sie auf dem Schnittbogen zu finden und vermerkt sind.

Meist sind dies je Eingriff ein innerer und ein äußerer Taschenbeutel sowie ein oder zwei Paspelstreifen.

Wie der Taschenbeutel sich jeweils zusammensetzt, ist abhängig von der Art der Tasche. Das Nähprinzip ist jedoch grundsätzlich das gleiche


1. Tascheneingriff anzeichnen

In meinen Schnittmustern ist die Position des Taschneingriffes entweder auf dem Schnittbogen vermerkt (z.B. bei Hanjo) oder man kann sie sich mithilfe der Schnittteile erschließen (so bei Ronia und Fentje).

Grundsätzlich kann der Tascheneingriff aber an (fast) jeder beliebigen Stelle positioniert werden.

 

Lege dazu das Schnittteil für den Taschenbeutel an seine spätere Position an.

 

Bei Ronia sollte sich die Unterkante der Tasche  ca. 5cm über der Saumkante des Jackenvorderteils befinden.

Markiere Dir das obere und untere Ende der Tasche am Stoffbruch (hier blau und rot) und stecke den Teil "Tascheneingriff" mit einer Stecknadel auf dem Stoff fest.


 

 

 

 

 

 

Bei den Hosenschnitten befindet sich der Eingriff genau an der Spitze des rückwärtigen Abnähers.


 

Nun schneidest Du den Taschenbeutel an der Trennlinie ab, sodass nur der Tascheneingriff auf dem Stoff zurückbleibt.

 

Diesen nutzt Du als vorlage, um den Eingriff mithilfe von Schneiderkreide, Trickmarker oder dem Kopierrädchen auf den Stoff zu übertragen.


 

 

 

 

Durch die Höhenmarkierungen am Stoffbruch (oben blau und rot) können wir den zweiten Eingriff auf gespiegelter Position auch auf die andere Jackenseite übertragen.


2. Paspel Vorbereiten

 

Falte den Paspelstreifen einmal über die Längskante links auf links zusammen.


 

Lege den Paspelstreifen nun so an der rechten Seite des Tascheneingriffes an, dass er mit der Nahtzugbabe der offenen Kante in das Eingriffsfeld hineinragt.

 

Exakt auf der Eingriffsmarkierung wird der Paspelstreifen nun mit ein paar lockeren Stichen festgeheftet.


 

 

 Wer eine doppelte Paspeltasche näht, legt auf der anderen Eingriffsseite ebenfalls einen Paspelstreifen mit der Nahtzugabe der offenen Kante an und heftet diesen auf der Eingriffsmarkierung fest.


3. Inneren Taschenbeutel aufnähen

 

Lege nun den inneren Taschenbeutel (siehe Schnittmuster) rechts auf rechts auf den Tascheneingriff und nähe die beiden langen Kanten der Eingriffsmarkierung ab. Dadurch fasst Du Hauptstoff (in dem die Tasche später sitzt), Paspel und inneren Taschenbeutel zusammen.

 

Achte darauf, exakt auf der Eingriffsmarkierung zu nähen und somit auch genau auf den Heftnähten der Paspel!


4. Tascheneingriff Fertigstellen

 

Öffne jetzt den Taschneneingriff, indem Du den inneren Taschenbeutel sowie den Hauptstoff in der Mitte des Tascheneingriffes aufschneidest.

Zu den kurzen Enden hin, werden die letzten 2cm des Eingriffes v-förmig in Richtung der Eingriffsecken aufgeschnitten.

 

Achte darauf, weder die Paspel, noch die Naht zu beschädigen!

 

 

 


 

Als nächstes werden der Taschenbeutel und die Paspel durch den entstandenen Schlitz auf die linke Seite des Hauptstoffes gezogen.

 

Forme den Eingriff schön aus und lasse die kleinen Dreiecke am Schlitzende ebenfalls auf der linken Stoffseite verschwinden.

 

Nun wird der gesamte Tascheneingriff einmal rundherum abgesteppt.

 


Optional je nach Werkstück: Inneren Taschenbeutel zusammenfügen

 

Wer ein vorne durchgängiges Oberteil mit Paspel-Eingriffstaschen näht (Pullover, Schlupfjacken), wiederholt alle Schritte auch mit dem zweiten, gespiegelten Tascheneingriff.

 

Auf der Innenseite werden dann die beiden inneren Taschenbeutel so zusammengelegt, dass sie an der senkrechten Mittelkante rechts auf rechts zusammengenäht werden können.

 


 

Es entsteht ein durchgängiger innerer Taschenbeutel.

 

(Der besseren Differenzierung wegen wurde hier eine der Taschenbeutel senkrecht zum Fadenlauf zugeschnitten...)

 


4. Äußeren Taschenbeutel annähen

Zuletzt wird noch der äußere Taschenbeutel rechts auf rechts auf den inneren aufgelegt und beide Taschenbeutel werden rundherum aneinander festgenäht.

 

Achte darauf, dass der Hauptstoff und die Paspel nirgendwo zwischengefasst werden.

 


 

 

 

Je nach Schnittmuster kann dies dann ganz unterschiedlich aussehen...

 


 

 

Was vom Paspelstreifen am Ende noch übersteht, kann ganz einfach abgeschnitten werden.

 


Und fertig ist Deine Paspeltasche!